Hauptgrafik.Zeigt musizierende Schüler.Dazwischen lachende Achtelnoten.   Logo der Musikschule Hockenheim
                             
     
 

Kleine Schule mit großem Spektrum

 
  30 Jahre Musikschule: Schüler, Lehrer und Eltern feiern mit Gästen in der Stadthalle den runden Geburtstag / Junge Musiker gratulieren mit ihrem Können  
     
  Bericht Jürgen Gruler aus der Schwetzinger Zeitung vom 30. März 2010  
     
  Mit Händels Menuett eröffnete der "Spielkreis für Alte Musik" mit dem Juniorensemble den Festnachmittag in der Stadthalle. Mit Jazzstandards wie dem "Watermelon Man" der Nachwuchs-Combo "Saxxesfull" ging er zu Ende. Das unterstreicht die ganze Bandbreite, die man heute, 30 Jahre nach der Vereinigung mit der Volkshochschule, bei der Musikschule Hockenheim erreicht hat. Sie reicht von der größten Gambenklasse Deutschlands, die auch auf Bundesebene Erfolge einheimst, bis zu modernen Bands im Pop- und Jazzbereich, die den Zeitgeist bedienen.  
     
  Musikschulleiter Christian Palmer konnte knapp 500 Besucher willkommen heißen. Die Schüler bestritten das musikalische Programm. Mit 650 Schülern und 26 Lehrern sei man eine der kleineren Musikschulen im Land, brauche sich aber von der Vielfalt im Angebot her nicht vor den großen verstecken. Er dankte den Lehrern, die den Schülern Berater seien, wenn große Freude und unermesslicher Frust wieder einmal dicht nebeneinander lägen. Er wünschte sich, dass man viele weitere Jahre in allen Trägergemeinden das Kulturleben bereichern dürfe. Palmer ehrte die Gambenklasse, die vor wenigen Tagen Landessieger bei Jugend musiziert geworden war (wir berichteten) und stattete sie mit einem Marzipan-Doping für den Bundeswettbewerb in Lübeck aus. Und sein Dank galt Marion Brandenburger und Jürgen Gruler von unserer Zeitung, die eine "wunderbare Festschrift" erstellt hatten, die auch auslag.  
     
  Für den Freundeskreis dankte Karen Keller vor allem Leiter Christian Palmer ("Es gibt keinen besseren"), aber auch den Eltern für die Nervenstärke, "wenn sie nicht so will, die Brut". Sie nutzte die Gelegenheit, für neue Mitglieder zu werben, um Freizeiten und Instrumentenverleih weiterhin bezuschussen zu können.  
     
  Musik verbindet über Grenzen  
  Bürgermeister Werner Zimmermann überbrachte die Grüße der Trägergemeinden, deren Bürgermeister allesamt da waren. Er erinnerte an die Anfänge als Verein und an die Überführung in die Volkshochschule vor 30 Jahren. "Musik bewegt und sie verbindet über Gemeindegrenzen hinweg", so Zimmermann, der hofft, dass dies auch in finanziell schwierigen Zeiten so bleibt. Denn heute könne man sehen, auf welch fruchtbaren Boden hier öffentliche Gelder fallen. Toll findet Zimmermann die große Vielfalt im Angebot, um mit dem Zitat zu schließen: Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.  
     
  Detlef Krispien überbrachte die Glückwünsche der anderen 15 Schulen im Bezirk und des Landesverbandes: "Die Hockenheimer Schule braucht sich nicht zu verstecken. Mit der breiten Elementarförderung, dem umfassenden Individualunterricht und der großen Zahl an Ensembles liege man super im Rennen." Und passend zur Rennstadt hatte er Schoko-Rennwagen für die Lehrer und einen großen Schoko-Porsche für Leiter Palmer als Geschenk dabei, denn das engagierte Kollegium und der äußerst kompetente Leiter sorgten für den Erfolg. Große Hoffnung legt Krispien in die Ankündigung von Ministerpräsident Stefan Mappus, künftig für Kooperationsprojekte mit Kindergärten und Schulen die Personalkosten übernehmen zu wollen.  
     
  Dazwischen war alles Musik: Und wer dabei an manch ein gequältes Vorspiel in seinem Leben denkt, der hat am Sonntag etwas verpasst. Vom Spielkreis für Alte Musik war ja schon die Rede, Robert Sagasser leistet da Vorbildliches. Beachtlich aber, was Brygida Lorenz und Annina Holland-Moritz schon aus dem gerade erst neu gegründeten Jugendorchester herausholten. Verstärkt durch Lehrer und Ehemalige, aber doch im Kern ein Schülerorchester, spielten sie ihre Nervosität hinweg und klangen beim Eurovisionssong (Prelude aus "Te Deum") schon recht professionell. Sehr schön auch das spontane Zusammenspiel des Sinsheimer und Hockenheimer Querflötenensembles unter Leitung von Anke Palmer mit einem flotten "Chattanooga Choo Choo", der ja in Deutschland als "Sonderzug nach Pankow" zusätzliche Berühmtheit erlangt hat.  
     
  Die Jüngsten singen a capella  
  "AufTakt" nennt sich das jüngste Vocalensemble. Leiter Christian Palmer hat es zu einer Premiere geführt. Erstmals sang es a capella Beethovens "Nachtlied" - das Experiment gelang. Und dem neuen Namen "Vocal Offspring" gerecht werdend, stürmte das nun gemischt besetzte Vokalensemble die Bühne für tolle Gospels und ein hebräisches Lied. Da zeigte Philipp Schädel, welch Glück er als Gesangslehrer für die Schule ist. Schädel war es auch, der mit Annelie Bayer zusammen einen kleinen Einblick in die Populäre Musik gab. Die Bands hätten den Rahmen gesprengt. Aber Romina Afflerbach, Daniela Hirth, Yannik Bayer, Nico Cicalone und die wunderbar singende Melina Skoumpopoulus zeigten mit Begleitung von Elisa Eisinger (Klavier) und Fabian Müller (Schlagzeug), wie hier die Horizonte ins Moderne geöffnet werden. Einfach klasse waren abschließend die jungen Jazzer von Willi Ester, die nicht nur ihre Standards beherrschten, sondern sich auch an peppige Soli heranwagten. Wie sagte schon Platon: Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele.